SÜDAFRIKAS GRAUE BÖCKE - DER GIPFEL DER BERGJAGD DER ETWAS ANDERE REHBOCK

Text / Fotos:  Ludwig Siege

Vaa; Rhebok, zu Deutsch Rehantilope:  Kenner afrikanischer Jagd schwärmen von diesem grazilen Bergwild.  Vor allem diejenigen, die körpelich herausfordernde Jagd suchen, sin dimmer wieder von den grauen Böcken, die auch Vaalies gennant warden, fasziniert.  Und Vaalies rangieren im Stellenwert vieler Jäger ganz weit oben, sind sie doch durch ihre scharfen Sinne und ihre raue Lebensumgebung das vielleicht am härtesten zu erbeutende Wild Südafrikas.

ALS DIE HOLLÄNDISCHEN KOLONISTEN im 17.  Jahrhundert am Kap der Guten Hoffnung südafrikanischen Boden betraten, um für den Seeweg nach Indonesien eine Versorgungsstation zu errichten, trafen sie auf eine ihnen völlig unbekannte Fauna und Flora.  Da sie praktische Menschen und keine Wissenchaftler waren, benannten sie das, was sie ashen, oft mit Namen ähnlicher, ihnen bekannter Arten der europäischen Heimat:  So wurde aus dem Oryx ein Gemsbok, die Hyäne zum Wolf und das Gnu zum Wildebeest, was o viel sie wildes Rind heiβt.  Die Roan wurde wegen ihrer Ähnlichkeit zur Oryx zum Basterd Gemsbok.

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Andere Tiere wurden bildlich beschrieben:  zum Beispiel die Rappenantilope als Swartwitpens (Schwarz-Weiβ-Bauch), Blesbok und Bontebok nach ihrer Blesse und Farbzeichnung.  Der Geier wurde zum Aasvogel.

Aug den windigen baumlosen Bergkuppen im Hinterland trafen sie auf eine seltsame Antilope, etwas gröβer als ein Reh, mit geraden spitzen Hörnern, riesigen Augen und grauem, wolligem Fell.  Auf den ersten Blick hatte sie eine entfernte Ähnlichkeit mit den heimischen Rehen, deshalb der Name Rhebok.  Das graue Fell führte zum Adjektiv „Vaal‟, was auf Afrikaans grau bedeutet.

Wissenschaftlich wurde die Antilope zuerst 1790 beschrieben.  Sie wired zunächst aufgrund des Fells, aber auch wegen ihrer extreme guten Augen und der hohen Fluchtdistanz in die Nähe der Wildziegen gerückt sowie in die Nähe der Bergriedböcke, die im gleichen Habitat zuhause sind.  Der erste wissenschaftliche Name war Redunca Capreolus.  Dies ist aber affensichtlich inkorrekt und heute klassifiziert man den Vaal Rhebok als eigene Gattung mit dem Namen Pelea Capreolus, in der er der einzige Vertreter ist.  Pelea ist eine Abwandlung eines lokalen Namens und capreolus deutet noch auf die angenommene Verwandtschaft mit Wildziegen hin.

Cornwallis Harris liefert in seinem „Portrait of the Game and Wild Animals of Southern Africa‟ von 1840 und mit seinem „Wild Sports of Southern Africa‟ - übrigens eine Muss-Lektüre für den Südafrika-Jäger – die ersten ausführlichen Beschreibungen der Art einschlieβlich einer hervorragenden Zeichnung:  Der Vaal Rhebok ist „eichter gebaut als die anderen afrikanischen Antilopen, auf langen schlanken Läufen, und einem besonders schlanken Hals, bewegt sich der Rhebokgleichermaβen mit hoher Geschwindigkeit und Grazie.  Er überwindet die Distanz mit langen leichten Sprüngen, mehr gleitend als galoppierend ...‟. Er ist auβerordentlich „scheu, und mit extreme gutter Nase und Falkenaugen ausgestattet.  Es ist es sehr schwierig, sich ihm auf Schussweite zu näher‟.  Corhwallis Harris nutzt, wie für andere Arten auch, neben seinen Zeichnungen auch die Gedichtform, um den Vaalie zu charakterisieren:

Rough are those rocks,
Yet down their slope,
the silvery-footed antelope,
more gracefully and gaily springs,
than in the marbled courts of kings ...

etwa:
Über die rauen Felsen
Den Abhang hinab
Springt die leichtfüβige Antilope,
Graziler und fröhlicher,
Als es am marmor’nen königlichen Hof zugeht

Sein Vorkommen ist durch zunehmende Besiedlung mittlerweile fragmentiert, aber der „Vaalie‟, wie er liebevoll genannt wird, ist in vielen Gegenden Südafrikas und Lesothos noch recht häufig.  Die IUCN führt ihn in ihrer Roten Liste der bedrohten Arten unter „least concern‟, also als nicht bedroht.

Ludwig Siege Ludwig Siege

Sein Habitat sind die kalten, dem Wind ausgesetzten, grasbedeckten Berghänge und Plateaus des südlichen Afrikas.  Überall, wo Steilhänge und Bergkuppen nicht hohem Weideoder Besiedlungsdruck ausgesetzt sind, kann man ihn finden.  Vaalies sind nicht sehr von Wasser abhängig und Trupps mit jeweils einem Bock, der sein Rudel extreme aggressive gegen Herausforderer verteidigt.  Jüngere Böcke sind oft alleine oder zu zweit.  Man sagt, dass sie auch Bergriedböcke und manchmal sogar Schafe und Ziegen forkeln und töten, weswegen sie in der Vergangenheit von manchen Farmern verfolgt wurden.

Ihr Lebensraum ist deckungslos, deshalb haben sie in der Regel eine extgrem hohe Fluchtdistanz.  Oft sieht man sie erst,  wenn sie in einem Kilometer Entfernung leichtfüβig über die nächste Bergkuppe wippen, ohne auch nur einmal anzuhalten und zurückzuäugen.  Im schnellen Lauf halten sie den Schweif aufrecht, so dass man dessen leuchtend weiβe Unterseite siecht.  Dann ist es zu spät für einen Schuss, den Vaalies stoppen micht in Schussweite.  Nur wenn man sie zuerst ausmacht, hat man eine Chance.  Am besten ist es, von den Bergkuppen und Hochplateaus aus, die unterhalb liegenden Hänge abzuglasen.

Das bedeutet erst mal klettern, den, alte Böcke mit guten Trophäen sind selten, wo Straβen auf die Bergkuppen führen.

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Das Wildbret der Vaalies gilt in Südafrika als nahezu ungenieβar.  Deshalb schieβen Farmer auf ihrem Land lieber Riedböcke für die auf den Farmen benötigten Fleischrationen.  Ich habe ein Vaalie-Steak leider testen können, aber werde das nich nachholen.  Meiner Erfahrung nach schmecken alle afrikanischen Antilopen gut, auch der verpönte Wasserbock, man muss sie nur richtig zubereiten bzw. Beim Aus-der-Decke-Schlagen und Zerwirken gewisse Dinge beachten.

Der Baalie teilt sich seinen Lebensraum mit dem Bergriedbock.  Dieser halt sich allerdings eher in etwas tieferem und windgeschützterem Terrain auf, dennoch findet man sie oft zusammen.  Als Fremder in der Region kann man beider Arten leicht verwechesln.  Ich habe erst in der zweiten Jagdwoche Vaalies auf Distanz sicher ansprechen können:  der Bergriedbock ist etwas stämmiger, der Träger rötlicher, sein Körperbau nicht so grazil wie beim Vaalie, die Böcke haben anders als beim Baalie einen deutlich stärkeren Träger als die weiblichen Tiere.

VON BESONDEREM STELLENWERT

Wegen der Herausforderung der Jagd bezeichnet James Mellon in seinem 1975 erschienenen Standardwerk „African Hunter‟ den Vaal Rhebok als Südafrikas Toptrophäe.  Er besuchte Südafrika in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Wildzahlen dort noch viel geringer waren als heute.  Er vergleicht die Schwierigkeiten der Vaaliejagd allerdings nur mit den anderen von ihm bejagten endemischen Antilopen, wie Weiβschwanzgnu, Blesbok und Bontebok, die, wenn auch noch viel seltener als heute, schon damals relative leicht zu bejagen waren.

Peter Flack teilt in seinem Klassiker ‟Mellons Einschätzung.  Er schriebt, dass das „ Veldt-Phantom‟ seine Stimmer „als das herausforderndste und am schwierigsten zu bejagende südafrikanische Wild bekommt.

... Meiner Meinung nach ist er Südafrikas Toptrophäe, und das bei weitem.‟

Kein Wunder, dass Vaalie deshalb in mancher Trophäensammlung fehlt.

Ich hatte das Städtchen Rhodes in den Drakensbergen der Eastern Cape Province Südafrikas über das Internet gefunden.  Outfitter Fred Steynberg bietet dort sowohl Fliegenfischen als auch Jagden an.  Diese Kombination riezte mich, und so buchte ich bei ihm Anfang Mai 2010 eine Vaalie- und Reedbuck-Jagd in Kombination mit einem Angeltrip nach Lesotho, das fast in Sichtweite nördlich von Rhodes liegt.

2011 kam ich wieder, um meine Rhebok-Trophäe zu verbessern und vielleicht eine Rowland-Ward-Trophäe zu erbeuten.

Das Minimum dafür ist 77/8 Zoll, mein Vaalie von 2010 war knapp darunter.  Dafür hatte ich vergangenes Jahr einen sehr guten Bergriedbock erbeutet.

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Rhodes ist ein kleines idyllisches Städtchen.  Es liegt in einem Flusstal am Ende einer 60 Kilometer langen Piste und ist als Urlaubsort in Südafrika recht bekannt, vor llem wegen der Angelmöglichkeiten, aber auch als Skigebiet.  Wenige Kilometer entfernt liegen Tenahead und Tiffindell, die in der Vergangenheit, als es offenbar noch regelmäβiger Schnee gab, wenigstens für einige Wochen im Winter Skimöglichkeiten boten.  Rhodes steht unter Denkmalschutz, einschlieβlich der blassgrün bemalten Wellblechdächer der kleinen Häuser, von denen viele – im Besitz von wohlhabenden Städtern – auβerhalb der Saison leer stehen.  Denkmalschutz für Wellblech, ausgerechnet das Material, das mittlerwiele halb Afrika ver schandelt und das ein Spötter mal ironisch als den wichtigsten Beitrag Groβbritanniens zur Architektur Afrikas bezeichnet hat?  Tatsächlich sehen die kleinen Cottages mit ihren grünen Dächern aber ganz schmuck aus.

Es gibt zwei Hotels in Rhodes, darunter das bei Fliegenfischern sehr bekannte Walkerbouts Inn. Es gibt auch private Cottages, von denen einige von Fred und seiner Frau verwaltet warden, in einem solchen war ich preisgünstig und zugleich luxuriös untergebracht.

Rhodes liegt ca. 1800 Meter über NN, aber rundum steigen die Berge steil an bis zu einer Höhe von über 3000 Metern, um dann nach Süden und Südosten steil abzufallen.  Es ist kommerzielles Farmland, seit über 100 Jahren im Besitz von Afrikaanern, die in der Vergangenheit in dem harschen Klima um das wirtschaftliche Überleben kämpfen mussten.  Die höheren Lagen, die vom Vaalie bevorzugt warden, sind extensive genutzte, saisonale Weiden für Rinder und vor allem Schafe.  Der für Afrikaaner-Kommunen ungewöhnliche Name kommt übrigens daher, dass Cecil Rhodes in Zeit als Premier am Kap der Gemeinde ein groβes Geschenk in Form von Baumsetzlingen gemacht hat, so wird es jedenfalls in Rhodes erzählt.  Sonst war Cecil Rhodes als Protagonist des britischen Imperialismus bei den Buren verständlicherweise eher unbeliebt.

Mittlerweile hat der Tourismus Einzug gehalten und in der Hochsaison ist die Gegend ausgebucht, einschlieβlich des „Bed and Breakfast‟, das fast alle Farmen anbieten.  Beste Zeit zur Jab dist Anfang Mai, wenn die Jagd aufgeht.  Gejagt wird den ganzen Winter über bis Ende August, aber ab Juni Kann es auf den Höhen um Rhodes herum sehr kalt warden.  Dann liegt Schnee und eisiger Wind fegt über die Hochflächen und die Vaalies und Riedböcke ziehen sich in etwas tiefere Lagen zurück.

Fred ist in erster Linie Fliegenfischer, wie auch seine Website „Linecasters.co.za‟ zeigt.  Sein Vater und auch er haben das Fliegenfischen in Südafrika maβgeblich vorangetrieben und beeinflusst.  Wer Fliegenfischen erlernen will, ist bei ihm an der richtigen Adresse.  Die Flüsse um Rhodes herum halten vor allem Regenbogenforellen, aber in einigen höher gelegenen Zuflüssen gibt es auch Bachforellen.  Wenn es warmer ist, kann man auch den interessanten endemischen „Yellowfish‟, sowohl „Largemouth‟ als auch „Smallmount‟, beangeln, aber deren Saison liegt auβerhalb der Jagdzeit.  Fred betreibt einen kleinen Fliegenfischershop in Rhodes, wo man sich günstig ausrüsten kann.  Er pionert auch das Fliegenfischen im benachbarten Lesotho, wo sich Regenbogenforellen in einigen Flüssen seit vielen Jahren gut halten und vermehren.  Vor einem Jahr fing ich dort in einem kleinen bewatbaren Flüsschen eine Regenbogenforelle, die mehr als zwei Kilo wog.

EINE SPEZIELLE DISZIPLIN

Fred bietet noch eine Besonderheit an:  den sogenannten McNab.  Der Legende nach hatte ein schottischer Wilderer dieses Namens den Landbesitzer herausgefordert, er würde einen Lachs fangen und zwei Hirsche schieβen, alles an einem Tag und ohne dabei erwischt zu warden.  Der Landbesitzer, sicherlich ein Engländer, heuerte für diesen Tag zusätzliche Wildhüter an, aber McNab war dennoch erfolgreich, so erzählt man es sich jedenfalls.

Beim Rhodes-McNab geht es jedoch nicht gegen Wildhüter oder Farmbesitzer, Freds McNab testet die Fähigkeit des Jägers mit der Flinte, der Büchse und mit der Fliegenrute:  Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, also an einem Tag, zwei Greywing-Frankoline und einen Vaalie oder Reedbuck zu schieβen und dann noch eine Forelle zu fangen, fly only, versteht sich, ist keine Kleinigkeit.

Ich bin aber wegen des Vaal Rheboks hergekommen.  Die Vaalie-Jagd ist am ehesten mit der Gebirgsjagd auf Wildschafe und Wildziegen zu vergleichen.  Mit Steinbock, Markhor und Co. Haben die Vaalies die extreme guten Augen, die Kletterkünste, die Ausdauer und die Leichtfüβigkeit gemeinsam.  Ihr Habitat ist fast deckungslos und die Jag dist auf einen Nenner zu bringen:  marschieren, marschieren und nochmals marschieren, in dünner Luft die Steilhänge der Drakensberge auf und ab.  Fitness ist Voraussetzung für Erfolg.  Die Szenerie ist spektakulär und Vogelliebhaber warden sich über die Lämmergeier freuen, die die Bergkuppen und Hänge entlanggleiten.  Nur meine derzeitige Heimat Äthiopien hat höhere Lämmergeier-Bestände.

Vom vergangenen Jahr her wusste ich, dass warme Kleidung und gute Wanderstiefel geboten sind.  Das Wetter kann in 3000 Meter Höhe schnell sumschlagen, deshalb ist eine Regenjacke ein Muss.  Camouflage ist gut, den nicht gesehen zu warden, ist die voraussetzung für den Erfolg.  Einen Pirschstock dabeizuhaben ist von Vorteil.  Er hilft beim Klettern und dem Überwinden von Zäunen und Flüsschen. 

Als Waffe ist jedes kleinere und mittlere Kaliber möglich, von .243 Win. Bis .30-06, aber angesichts der weiten Schussdistanzen ist ein rasantes Kaliber vom Typ 7 mm Remington Magnum, .300 Win. Magnum oder 8x68 von Vorteil.  Vergangenes Jahr benutzte ich einen 98-Karabiner im Kaliber 8x57 IS, in diesem Jahr eine Musgrave in 7 mm Remington Magnum, beide von Fred geliehen.  Ein gutes Fernglas ist Voraussetzung, ein Spektiv und ein Entfernungsmesser können den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen.  Wir hatten übrigens beides nicht dabei.

Morgens um 6 Uhr geht es los.  Wie jeden Morgen krächzen Hadidah-Ibisse in der Dunkelheit, als mich Fred vom Cottage abholt.  Es ist noch dunkel, als wir den Weg den Fluss names Bell entlang Richtung Tenahead einschlagen.  Der Feldweg windet sich steil nach oben in Richtung Hochplateau.  Vorgei geht es an Farmhäusern, Feldern und Auwiesen.  Als es heller wird, warden rechts und links des Flusstals die Berge sichtbar.  Wir sind oberhalb der Baumgrenze.  Das Wasser des Bells ist klar und sprudelt munter über Felsen und Steine.  Trotz einiger starker Regenfälle habe ich den Fluss nie trüb gesehen, was für umweltschonende Landwirtschaftsmethoden im Einzugsgebiet spricht.  Bald haben wir das letzte Farmhaus passiert und erreichen Höhen, in denen nur Sommerweidewirtschaft möglich ist.  Die Steilhäge sind grün und vom Regen in der Nacht glänzen die felsigen Flächen, als wären sie aus Eis.

Gestern waren wir beriets auf dem Hochplateau und hatten die nach unten abfallenden Steilhänge mit ihren Graten und Felsvorsprüngen nach Vaalies abgesucht, waren trotz Anblicks aber nicht zu Schuss gekommen.  Wir hatten aaber aus der Ferne weit unter uns einen starken Bock gesehen, der alleine zu sein schien, eher ungewöhnlich für einen starken Vaalie.  Heute woollen wir einen zweiten Versuch starten.

Der Marsch führt über Hochweiden in Richtung der steilen Abbrüche und dann Richtung Flachland des Eastern Cape.  Wir haben einige Zäune zu überwinden und machen uns in den Wasserrinnen, die durch den Regen der vergangenen Nacht gefüllt sind, die Füβe nass.

Da sehe ich auch schon die verräterischen weiβen Kehrseiten einer Truppe Vaalies nach rechts über den Hügelkamm verschwinden, ein starker Bock ist dabei.  Wir haben nicht aufgepasst, weil wir auf dem Plateau keine Vaalies erwartet hatten.  Die Farbe ihres Fells last sie mit der Landschaft verschmelzen, wo sie wie ein grauer Stein ode rein Grasbüschel aussehen.  Sie geben dem Jäger keine zweite Chance, wenn sie flüchtig sind.

Das Plateau endet mit einem Viehzaun.  Jetzt ist besondere Vorsicht geboten, den unter uns in den Steilhängen stehen mit Sicherheit Vaalies, hoffentlich auch der Bock von gestern.  Die Sonne ist mittlerweile aufgegangen und das Licht steht auf den Vorsprüngen und Graten, die sich Tal hinunterziehen.  Wir kriechen unter dem Zaun durch und auf die Abbrunchkante zu.  Es ist imperative, seine Silhouette nicht gegen den Himmel zu zeigen, deshalb halten wir den Kopf unten.  Wir arbeiten uns im Schatten einer Wasserrinne herab.  Rechts und links, weit über uns liegen die Grate im Sonnenlicht.  Mittlerweile ist es 9 Uhr geworden.  Fred glast die kilometerlange, steile Schlucht ab und fluster „Vaalie‟.  Ich sehe wie moistens erst mal nichts, tröste mich aber damit, dass in meinem gewohnten jagdlichen Umfeld in Ostafrika Fred auf meine Augen angewiesen sein würde.  Er beschreibt mir den Platz des Bockes:  tief im Tal, ca. 600 Meter entfernt, links von einem etwas höheren Busch.  Dann sehe ich ihn:  seine Hörner sind deutlich über lauscherhoch und scheinen stark zu sein, er äugt schon zu uns herauf.  Auf jeden Fall ein Abschussbock mit Rowland-Ward Trophäe.  Aber ist es der solitäre Bock von gestern?

Anschienend nicht.  Fred macht in seiner Nähe einige weibliche Stücke aus, die auch schon unruhig geworden sind.  Offensichtlich können die uns nicht sehen, aber sie haben wohl eine Bewegung wahrgenommen.  Jetzt flüchten sie zum Grat hoch, der rechts unser Blickfeld begrenzt.  Vier Stücke sin des, wir können deutlich die weiβe Wedelunterseite erkennen.  Der Bock ist aber nicht dabei.  Ich sehe, das ser nach links den Steilhang zum Grat hinaufzieht und oberhalb eines Felsvorsprungs verhofft.  Er äugt den weiblichen Stücken hinterher.  Wir sitzen gedeckt hinter einem Felsen und Fred windert sich laut über das Verhalten des Rheboks.  Er ist nicht mit dn anderen Flüchtig geworden, was total untypisch ist.  Wir beschlieβen, die Rinner hochzusteigen und dann die nächste Rinne links von uns herabzuklettern, in der Hoffnung, vom Grata us auf Schussweite an den Vaalie heranzukommen.  Vom vergangenen Jahr her weiβ ich, dass diese Rinne extreme felsig und steil ist.  Ein Sturz ware gefährlich.  Wir klettern ca. eine Stunde, um in Position zu kommen, erst unsere Rinne hinauf, dann über das Plateau auβer Sicht bis zur nächsten Rinne, diese hinab und dann den Grat nach rechts hinauf.  Mir macht mein Meiskusschaden am rechten Knie zu schaffen.  Fred pirscht voran auf den Grat zu, ganz vorsichtig, um den Vaalie zuerst zu sehen, ich hinterher.  Dann last sich Fred zu Boden sinken und deutet mit der Hand nach vorne:  der Bock steht auf ca. 200 Meter Entfernung steil unter uns, nur halb sichtbar.  Ich nehme sofort eine Schussposition ein.  Im Sitzen stütze ich mich auf den Kien ab; das Fadenkreuz wackelt aber so, dass ich nicht schieβen kann.  Ich atme tief durch, um meinen Puls in den Griff zu bekommen, aber da ist der Bock schon auf und davon.  Das war’s wohl, denke ich, als wir über den Grat den Hang hinunterblicken.  Der Vaalie ist bereits durch die Rinne hindurch und den Gegenhang hoch.  Ich folge ihm mit dm Fadenkreuz, al ser plötzlich stoppt.  Das erste Mal, dass ich das sehe!  Ein Vaalie verhofft auf der Flucht normalerweise nie!  Ich fackele nicht lange und Beschieβe ihn auf ca. 280 Meter.  Der Kugelschlag ist deutlich zu hören und der Bock rollt den Hang hinunter bis in eine mit Büschen bewachsene Rinne.  Er hat nich das Haupt hoch, also trage ich ihm sofort den Fangschuss an.

Nun runter durch die Rinne zum Bock:  die graue Decke ist wollig wie ein Hasenfell, was seinen Körper im Verhältnis zu den Läufen richtig kräftig aussehen last, der Windfang sieht fast geschwollen aus und der Äser wirkt im Verhältnis dazu klein, die Lauscher sind lang und extreme schlank und die Hörner genau das, was ich mir gewünscht habe:  dick an der Basis, ragen sie gut sechs Zentimeter über die Lauscher hinaus.  Wir fotografieren, diskutieren die Jagd und vor allem das ungewöhnliche Verhalten des Bocks.  Wir vermuten, dass es doch der Einzelgänger von gestern war, der aber halbherzig dabei war, sich einigen weiblichen Stücken, aus welchen Gründen auch immer ohne Bock, anzuschlieβen.  Nur so ist  sein Verhoffen zu erklären.  Inzwischen hat sich der Himmel bezogen und es fallen einige Regentropfen.  Die kameras verschwinden in Freds Wasserdichtem Rucksack.

WHEN THE BUCK DROPS, THE FUN STOPS

Nun beginnt das Vergnügen:  der Vaalie muss bis zum Wagen hochgetragen warden, und das sind einige Kilometer.

Das ist Freds Arbeit, während ich Freds Rucksack, Wasser und Gewehr trage, immerhin gut zehn Kilogramm.  Der Bock weigt aufgebrochen sicherlich das Doppelte.

Jetzt zeigt sich die Kondition von Fred, allerdings bin ich auch fast 20 Jahre älter.  Er ist lange vor mir am Auto.  Ich hechele den Hang hoch und über das Plateau bis zum Wagen, wo Fred schon mit dem Mittagessen wartet:  Sandwiches mit verschiedenen Getränken.  Döstlich:  erst jetzt bemerke ich, wie hungrig und vor allem durstig ich bin.

Später legen wir das Maβband an:  83/8 Zoll, eine beinahe punktgenaue Schätzung.  Die nächsten zwei Tage fische ich Regenbogenforellen und lasse es mir ansonsten im Rhodes Hotel gut gehen.

Am letzten Tag versuche ich noch einen Riedbock zu erbeuten.  Wir klettern vom Tal aus zu Fuβ nach Norden auf das Plateau, selbst Fred kennt die Gegend nicht.  Leider haben wir trotz ca. 2000 zurückgelegten Höhenmetern, bergauf und bergab, über Stock und Stein, kein Jagdglück.  Nun, manchmal muss man sich eine Trophäe eben hinterher erlaufen und verdienen.  Wie ich das meine?  Vergangenes Jahr hatte ich fast ohne Aufwand einen starken Bergriedbock erbeutet.

Und man braucht Pläne:  Ich habe mit Fred vereinbart, nächstes Jahr wiederzukommen.  Er weiβ auch schon, wo wir hingehen warden, um einen 9-Zoll-Vallie zu finden...

REHANTILOPE – VAAL RHEBOK (PELEA CAPREOLUS)

Verwechslungsgefahr mit Bergriedbock, der aber gröβer und schwerer ist, nach vorn gekrümmte Hörner trägt und unter den Lauschern ienen schwarzen Fleck hat